Äthiopische Kaffeezeremonie

Da die Frauen traditionell meistens im Haus arbeiteten, wurde der Kaffee schon früher egal wann getrunken,  mittwochs und freitags allerdings nur am Nachmittag, da dies Fastentage sind.  Auch während der ganzen Fastenzeiten wird er nur nachmittags getrunken. 

Die Vorbereitung ist Teil der Zeremonie.

  • Grashalme werden am Boden verstreut (qetema).
  • Die Anwesenden sitzen im Halbkreis vor der Feuerstelle und der Frau, die die Zeremonie durchführt. Während der Vorbereitung unterhält sich die Gruppe.
  • Das Feuer wird entfacht.
  • Etwas Kohle wird der Glut entnommen und in eine Tonschale mit Weihrauch gegeben, um der Zeremonie einen angenehmen Geruch zu verleihen.
  • In einer runden, leicht gewölbten Metallpfanne (breth-metad) werden nun Kichererbsen gewaschen und mit leicht gesalzenem Wasser gedünstet. Wenn die Kichererbsen fast durch sind, wird das restliche Wasser weggegossen und die Kichererbsen werden geröstet.  Anschließend werden die gerösteten Kichererbsen in einen Korb geschüttet und nacheinander werden noch Weizen und Rote-Distel-Samen (eine Ehrerweisung für die Gäste, da sie sehr teuer sind) geröstet. Danach wird alles in dem Korb vermischt.  Geröstetes Getreide heißt „Kolo“.  Man kann Kolo in mannigfaltigen Variationen herstellen und alle Getreidearten können hierfür verwendet werden.
    Heutzutage verwendet man häufig Popcorn. Im Amharischen wird es “fendek abeba” genannt, was soviel wie aufplatzende Blume bedeutet.

    • Jetzt werden die Kaffeebohnen im breth-metad ausgelesen und gewaschen, dann wird das Wasser abgegossen und sie werden geröstet.
    • Während des Röstvorgangs wird darauf geachtet, dass der Weihrauch in der Tonschale nicht ausgeht.
    • Wenn die Kaffeebohnen fertig geröstet sind, kommen sie in eine Schale und werden den Anwesenden präsentiert.  Jeder nimmt dreimal den Duft/Rauch in seine Hand und führt die mit Rauch gefüllte Hand zum Kopf.
    • Der Jebena, eine Kaffeekanne aus Ton, wird mit Wasser gefüllt und aufs Feuer gestellt.
    • In einem hölzernen Mörser – Mukecha – werden die Kaffeebohnen nun zu Pulver verarbeitet.

    • Sobald das Wasser kocht, gibt die Zeremonienführerin das Kaffeepulver hinzu und lässt das Wasser-Kaffeemehl-Gemisch ein wenig kochen. Dann nimmt sie den Kaffee vom Feuer, damit sich das Kaffeemehl setzt.
    • Auf einem Tablett mit Tassen (es wird immer eine zusätzliche Tasse für die Mutter Erde hinzu gestellt) wird der Kaffe eingeschenkt. Auch hier gibt es ein genaues Ritual: alle Tassen werden ohne abzusetzen befüllt. Wichtig ist, dass mit dem Eingießen jeder Tasse direkt an deren Boden begonnen wird, während des Eingießens die Kanne ca. 30 cm nach oben gehoben und wieder herunter an die Tasse geführt wird, um dann – ohne den Gießvorgang zu unterbrechen – zur nächsten Tasse überzugehen.

    Die erste Tasse (die der Mutter Erde) wird symbolisch als Dank auf die Erde gegossen, dann werden die übrigen Tassen an die Anwesenden verteilt. Je nach Geschmack wird dem Kaffee Salz, Zucker oder ein Blatt Weinraute beigefügt.  Dies wiederholt sich noch zweimal, denn aller guten Dinge sind drei.

    Sehr beeindruckt hat mich der folgende Ausspruch einer äthiopischen Frau. Er scheint mir Bedeutung und Effekt der Kaffeezeremonie recht gut zu verdeutlichen:
    „Ihr im Westen habt eure Berater und Psychologen, wir in Äthiopien haben unsere Kaffeezeremonie.